Ein Auslandssemester an der University of Alabama in Huntsville, Alabama, USA




Ende Juli 2019 ging ein großer Traum in Erfüllung und ich brach auf in Richtung USA, für mein Auslandssemester an der University of Alabama in Huntsville. Eine Once-in-a-Lifetime Erfahrung, die ich nie missen möchte und zu 100% sofort wieder genauso machen würde! Ich habe viel gelernt, durfte viele Orte und Menschen kennenlernen und nehme einiges für mein weiteres Leben mit. Im Rahmen dieses Berichtes möchte ich ausschnittweise von meinen Erlebnissen berichten.

Vorbereitung

Bewerben muss man sich für ein Auslandssemester schon sehr früh, was aber aufgrund langer Vorbereitungszeiten auch Sinn ergibt. Bereits im Dezember 2018 war Bewerbungsschluss. Die Planung und das Einholen aller notwendigen Dokumente (z.B. Empfehlungsschreiben oder die Learning Agreements) war relativ stressig. Dennoch war es machbar und hat es sich gelohnt, denn Ende Januar bekam ich vom International Office die Zusage, dass es für mich nach Huntsville geht: Eine unglaubliche Vorfreude auf ein halbes Jahr in den USA!

In den folgenden Wochen und Monaten wurden weitere Vorbereitungen getroffen: Ich besorgte Impfnachweise, reiste für die Visum-Ausstellung ins Konsulat nach Frankfurt und kümmerte mich privat um eine Wohnung.

Studium

Das Studium selbst gestaltet sich an einer amerikanischen Uni dann deutlich anders, als man es von deutschen Hochschulen kennt. Zumindest im Graduate-Bereich, der Master-Studenten und Doktoranden umfasst, herrschen in der Regel sehr persönliche Beziehungen und ein extrem lockerer Umgang zwischen Professoren und Studenten, was eine sehr angenehme Atmosphäre schafft. Hinsichtlich des Aufwands, der für das Studium betrieben werden muss, besteht auch ein deutlicher Unterschied. Ich hatte drei Kurse gewählt, die Mindestanforderung für Master-Studenten. Mit der Anzahl bin ich gut gefahren: Ich war nicht komplett überlastet, aber hatte unter der Woche doch immer gut zu tun. Es werden nämlich in jedem Kurs während dem Semester eine Menge Leistungen wie Referate, Hausarbeiten, Hausaufgaben oder Zwischenprüfungen erwartet. Dadurch ist der Aufwand während dem Semester deutlich höher als bei uns. Andererseits ist der Stress zum Ende des Semesters deutlich geringer, da die Abschlussprüfung, wenn es überhaupt eine gibt, nur noch einen Bruchteil der Endnote ausmacht. Meine Kurse waren „Human Factors“ bei Prof. Tenhundfeld, „Cybersecurity Management“ bei Mr. Shelley sowie „International Business“ bei Prof. D’Costa – jeden einzelnen Professor und seine Vorlesung kann ich zu 100% weiterempfehlen!

Leben

Die USA sind ein so großes Land, dass verschiedene Teile des Landes oft sehr unterschiedlich sind. Deswegen lassen sich viele Dinge nicht generalisieren. Huntsville mit seinen knapp 200.000 Einwohnern ist eine Stadt mit vielen Studenten, Ingenieuren und Wissenschaftlern, die an der UAH, bei der Army auf dem Redstone Arsenal oder bei der NASA arbeiten, die alle in Huntsville Niederlassungen haben. Die UAH hat einen schönen (und vor allem großen!) Campus, mit Grünflächen, Gym, Sportanlagen für die College-Teams und vielen mehr. Besonders die Spiele der Uni Basketball-, Soccer- und Eishockey-Teams waren jedesmal tolle Erlebnisse, denn College-Sport wird in den USA gelebt, selbst auf einem etwas kleineren Level wie es an der UAH der Fall ist. Die Stadt selbst bietet einen kleinen Stadtkern mit einigen coolen Bars und Geschäften, den Botanical Garden der besonders im Sommer wunderschön ist, das Space&Rocket Center sowie noch den ein oder anderen „Geheimtipp“, den ich von Einheimischen bekam. Ich als aktiver Tischtennis-Spieler habe mich einem Verein angeschlossen, der einmal die Woche abends für drei Stunden trainiert. Das hat extrem Spaß gemacht, ich konnte trainieren und vor allem habe ich jede Menge Leute kennen gelernt, die ich sonst nie getroffen hätte. Huntsville ist, wie jede amerikanische Stadt, auf den Autoverkehr ausgelegt. Das musste ich leider relativ schnell feststellen. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht, und Uber kommt auf Dauer nicht in Frage, also habe ich mir ein Fahrrad besorgt. Damit kommt man recht gut zu den wichtigsten Orten, jedoch sollte man wissen, dass Radfahrer sowie auch Fußgänger (und vor allem Jogger!) für Amerikaner eher eine Seltenheit sind, und dementsprechend vorsichtig unterwegs sein. Dann sollte es aber keine Probleme geben!

Auch für Reisen, speziell über lange Wochenenden, ist Huntsville kein schlechter Ausgangspunkt. In knapp drei Stunden erreicht man im Norden Nashville in Tennessee, das für seine Musikszene und den Broadway berühmt ist, der aus einer Vielzahl an Bars entlang einer Straße besteht. Auf dem Weg Richtung Nashville befindet sich in Lynchburg außerdem die Jack Daniel’s Distillery – die Besichtigung inklusive Whiskey-Tasting lohnen sich auf jeden Fall! In knapp 3 Stunden Richtung Osten befindet sich Atlanta in Georgia. Atlanta ist eine der größeren Städte der USA und hat vieles interessantes zu bieten. Gerade wer Sport live sehen möchte, kommt in Atlanta mit seinen NFL, NBA, MLS und MLB Teams voll auf seine Kosten!

Aber Huntsville bietet sich auch als Ausgangspunkt für „weitere“ Reisen an, besonders durch den kleinen Flughafen, der zur Stadt gehört. In 7 Stunden mit dem Auto ist man in New Orleans, außerdem in nicht einmal 2 Stunden Direktflug in Chicago, das ich persönlich sehr empfehlen kann! Außerdem fliegt man in 2 Stunden nach Orlando, dem perfekten Ausgangspunkt für eine Florida-Rundreise, für die man allerdings genügend Zeit einplanen sollte.

Fazit

Zum Abschluss möchte ich jeden, der noch unentschlossen ist ermutigen, diesen oder einen ähnlichen Schritt zu wagen und eine Zeit lang fernab der Heimat und der eigenen „comfort zone“ zu verbringen – es lohnt sich wirklich!

Dankeswort

Ich möchte mich bei dem DAAD zusammen mit der HS Offenburg für die Unterstützung meines Auslandssemesters durch das PROMOS-Stipendium bedanken, sowie bei der Printus GmbH für die Unterstützung in Form des DEC-Stipendiums während meines Masters an der HS Offenburg.

Erfahrungsbericht von Marius Schwörer